Sansibar - Paradies oder Fluch? Ein zerstörendes Bild des Tourismus.

Tourismus auf Sansibar – ein Segen?

Sansibar – UNESCO Weltkulturerbe, die „Insel der Gewürze“, kultureller Schmelztiegel, kilometerlange, paradiesische Strände. Jedes Jahr zieht seine „Exotik“ mehr und mehr Besucher an. Aber bringt der Tourimus auch flächendeckendes Wohlergehen für seine Bevölkerung mit?

Lassen wir uns gemeinsam zurückblicken auf meinen Besuch im Jahr 2012. (Für diejenigen unter euch, die mir auf Instagram folgen, kommen einige der Bilder sicher schon bekannt vor.)

Old house in Stone town built from coral rag.

Stone Town, Zanzibar City: ein Traum aus Tausendundeiner Nacht

Bis heute erinner ich mich noch lebhaft an die ganz besondere Atmosphäre in Stone Town. Nicht umsonst wurde es schließlich zum Weltkulturerbe ernannt. Zwei Tage kann man hier locker damit rumkriegen, sich einfach in den engen, verwinkelten Gässchen zu verirren. Die historische Altstadt von Zanzibar City hat über die Zeit Einflüsse der arabischen, indischen und durch die Kolonisation auch der westlichen Welt erhalten. Besonders die regionale Küche hat sich viel aus dem indischen entlehnt (chapati, currys, oder Reisgerichte wie pilau). Die Stadt selbst bietet genau das Flair, wonach sich Reisende aus fernen Ländern sehnen: historische Paläste aus Zeiten des Sultans mischen sich unter die in rötlich-schimmernden Häuser, die aus lokalem Korallenkalkstein erbaut wurden. Auch sollte man unbedingt einen Blick auf die großen, alten Türen werfen; diese sind manchmal vergoldet, mal wurden arabische Buchstaben reingeschnitzt, alle sind sie auf jeden Fall wundervoll dekoriert.

Gasse in Stone Town mit bunten Fassaden und niedrigne Stromleitungen

Geschnitztes Portal in Stone Town mit einer Katze davor

In den Gässchen finden sich viele kleine Geschäfte, die Schmuck, Kleidung, Dekoration und andere Souvenirs verkaufen. Die Straßen sind normalerweise gefüllt mit Menschen; seien es Einheimische, die vor ihren Häusern sitzen und sich tagsüber lebhaft unterhalten oder abends Domino spielen; oder seien es Touristen, die in ihren kurzen Höschen durch die muslimisch-geprägte Region schlendern. Dazu noch ein herrlicher Duft von exotischen Gewürzen!

Grilled seafood on the night market in Stone Town

Fangfrische Meeresfrüchte auf dem größten night market in Zanzibar City.

Tip: Besucht das Sauti za Busara Festival (<dt.> „Klänge der Weisheit“) in der alten Festung, das jedes Jahr im Februar mehrere Tage stattfindet.

Das Festival hat es sich zum Ziel gesetzt, ostafrikanische Musik zu fördern und läd daher ausschließlich Musiker aus der Großregion ein. Wenn ihr also vorher noch nicht mit afrikanischer Musik in Berührung gekommen seind, ist hier die perfekte Gelegenheit, zu tansanischem Pop, Rap, Reggae or auch dem orientlisch angehauchten taarab abzutanzen. Nebenbei trägt man dann auch noch zum Bekanntheitsgrad der Musiker bei und hilft dabei, die alte, schöne Kultur Ostafrikas aufrechtzuerhalten.

Bilder vor einer Galerie zum Verkauf in Stone Town

Restaurant / Shop in Stone Town - Sansibar

Blick auf Stone Town von der Fähre mit kleinen Booten nähe Ufer

Der erste Blick auf Zanzibar City von der Fähre

Der Norden Sansibar’s: kilometerlange, weiße Strände

Mehr noch als Stone Town ist die Insel bekannt für ihre paradiesischen Strände. 33°C im Februar, türkises Wasser, weiße Sandstrände… Selbst Schnorchel-Touren stehen auf dem Programm. Die folgenden Bildern sind vom Norden der Insel.

Strand von Sansibar mit Pfahlbauten im Hintergrund

Sonnenuntergang im Norden von Sansibar am Strand

Als mein naives, 19jähriges Selbst bin ich also einer größeren Gruppe Freiwilligen zum Norden der Insel gefolgt. Auf unserem Weg zum Hotel spielt sich das traurige, „wahre“ Bild von Sansibar vor den Fenstern unseres dalla-dalla (den lokalen Minibussen) ab: heruntergekommene Häuser kurz vor dem Einsturz, Einheimische mit abgetragenen Klamotten mit Löchern und verblassten Farben, Staub und Dreck überall. Ich war entsetzt über die vorherrschenden Bedingungen und kann daher gut nachvollziehen, dass Sansibar zu eines der ärmsten Regionen in ganz Tansania zählt.

In Ruanda habe ich mich oft selbst dabei erwischt, wie ich den harten Alltag und die Lebensumstände der Menschen romantisiere und als etwas Positives darstelle. Doch hier blieb mir wahrlich die Spucke im Hals stellen.

Ein Boot in türkisenem Wasser vor Sansibar

Künstler verkaufen ihre Kunstwerke in kleinen Hütten am Strand

Auf der einen Seite gibt es also diese herzzerreißende Armut im Landesinneren und auf der anderen Seite wetteifern die Luxushotels am Strand um die Gunst ihrer Kunden. Wie kann es überhaupt zu einer großen Schere zwischen arm und reich kommen, frage ich mich?!

Die Wirklichkeit ist so, dass ein Großteil der Einkünfte aus dem Tourismus zu großen, ausländischen Unternehmen gehen, die auch noch ihre eigenen, ausländischen Angestellten mitbringen. Das ist besonders bei großen Strandresorts der Fall. [Source: Colors of Zanzibar]

Fische tummeln sich um Futter beim Schnorcheln

Die meisten Touristen kommen nach Sansibar um am Strand zu entspannen (was ja auch erstmal gar nichts Schlimmes ist, solange man seine Unterkunft bewusst ausgewählt hat; dazu später mehr). Der 0815-Tourist bucht also blindlings seinen All-Inklusive-Urlaub, um dann zwischen Sonnenbaden und der Hotelbar nicht viele Schritte tun zu müssen. Vielen ist die Situation außerhalb des Hotelgrundstücks gar unbekannt.

Auch unsere Gruppe hat mehrere Apartements in einem großen Strandresort gebucht. Glücklicherweise nur die Betten und keine Verpflegung. Warum glücklicherweise? Hehe. Wie sich heraustellte gab es gleich auf der anderen Straßenseite unseres Hotels jeden Abend einen kleinen Straßenverkäufer, der für nur einen Euro herrlich frische „Zanzibar Pizza“ für uns zubereitete. Da muss man sich schon wundern, wo diese exorbitant hohen, fast westlichen Preise aus dem (westlichen) Menü des Hotelrestaurants ihre Berechtigung finden. (Die erste Regel für bewusstes Reisen lautet daher auch, das vor Ort übliche Essen zu sich zu nehmen.) Vielen der Urlauber war das sicherlich nicht bewusst – oder ihnen schlichtweg egal.

Wer sich jetzt übrigens wundert, was denn eine Zanzibar Pizza (Video) wohl bitte ist, der sollte sich das verlinkte Video unbedingt mal anschauen. Es ist ein leckerer – wenn auch nicht wirklich gesunder – herzhafter Crèpe mit Fleisch, Eiern, Gemüse und Mayonnaise gefüllt und frisch in einer heißen Pfanne gebraten.

Faulenzen auf Sansibar

Neben dem Sonnenbaden scheint Schnorcheln ein großer Renner auf Sansibar zu sein. Da es mein erstes Mal war, hat es eigentlich auch Spaß gemacht. Allerdings glaube ich (oder hoffe ich), dass es noch viel schönere Stelle gibt Korallenriffe anzusehen, als hier im Norden von Sansibar. Denn ich hätte mir ehrlich gesagt ein paar mehr Farben unter Wasser gewünscht. Da 2012 nun auch schon wieder ein Sturm her ist, kann ich mich nicht mehr genau an das Unternehmen erinnern, bei denen wir die Tour gebucht hatten und wie kommerziell das ganze vielleicht einfach nur war, also stützt euch nicht einhundertprozentig auf meine Aussage. Was ich auf jeden Fall weiß, ist das Sansibar ein ganz besonderes Korallenriff besitzt, wenn ihr mal auf einen der Links weiter unten schaut.

Ein Boot bei Sonnenuntergang auf Sansibar

Zwei Boote bei Sonnenuntergang auf See vor Sansibar

Nachhaltiger Tourismus auf Sansibar?

Ein Beispiel: Ein Luxushotel auf Sansibar verbraucht im Durchschnitt pro Tag und Zimmer 3.200 Lieter an Wasser, u.a. für die Swimmingpools, den Rasen und den Wasserversorgung der Gäste. Ein lokaler Haushalt hat dagegen nur 93 Liter Wasser pro Tag zur Verfügung. [Quelle: Brot für die Welt, EED – TOURISM WATCH 2013:32]

Nachhaltiger Tourismus sieht also definitiv anders aus. Trotz steigender Touristenzahlen zählt Sansibar zu einem der ärmsten Regionen des ganzen Landes. Neue Projekte müssen geschaffen werden, die die lokale Bevölkerung aktiv einbeziehen und beteiligen – für bessere Ausbildung und Lebensbedingungen seiner Bewohner. Einige Unternehmen verfolgen bereits diesen Grundsatz und haben u.U. schon Preise dafür gewonnen. Bei der Buchung einer Reise nach Sansibar solltest du also Hotels und Touranbieter genau unter die Lupe nehmen.

Für mehr Informationen dazu, wie du herausfinden kannst, ob ein Touranbieter nachhaltig agiert, haben Oksana und Max von Drink Tea & Travel einen schönen Artikel herausgebracht [auf Englisch]:

How to Choose a Sustainable Tour Operator for Your Next Trip

Kann ich eine reise nach Sansibar empfehlen?

Ich bin ehrlich gesagt noch unentschlossen. So wunderschön die Bilder auch aussahen, die Insel (bzw. der Teil, den wir gesehen haben) war zu touristisch für mich. Die meisten Besucher kommen um am Strand zu liegen, was nicht wirklich zu meinen Lieblingsfreizeitbeschäftigungen gehört. Wenn ihre aber sowieso in Tansania seid, dann solltet ihr euch Sansibar als Wochenendausflug nicht entgehen lassen. Besonders Stone Town kann ich wärmstens empfehlen. Allerdings extra hier herfliegen aus Europa, das würde ich mir nochmal überlegen…

Auf jeden Fall – und das ist ja auch der springende Punkt dieses Artikels: Wenn ihr vor habt nach Sansibar zu kommen, dann achtet bitte darauf eine Unterkunft in einem vernünftigen Hotel zu buchen, dass dazu beiträgt den Lebensunterhalt der Bewohner zu verbessern; auch wenn diese Unterkunft vielleicht ein paar Euro mehr von euch verlangt. Der beste Weg zum Glücklich sein ist doch der, wenn man weiß, wo sein Geld hingeht/hilft 🙂

Ganz zum Schluss habe ich euch noch ein paar interessante Projekte von Leuten verlinkt, die aktiv daran mitarbeiten, die Armut in Sansibar zu verringern. Schaut dort ruhig mal in aller Ruhe drüber. Wenn ihr auch selbst noch tolle Projekte auf Sansibar kennt, dann scheut euch nicht, uns in den Kommentaren dazu zu erzählen. Oder, wenn es eine längere Geschichte werden könnte, dann kann ich diesen auch gerne als Gastbeitrag hier bei mir auf der Webseite unterbingen. Schickt mir dazu einfach eine Nachricht!

 


Weitere Literatur:

Tourism in Zanzibar: Incentives for sustainable management of the coastal environment
     (Wissenschaftlicher Artikel auf Englisch)

Öko-Oase im Ozean: Chumbe Island ist eine der letzten unberührten Inseln vor Sansibars Westküste.

Das erste zertifiert-nachhaltige Hotel auf Sansibar: Blue Oyster in Jambiani

Projekt gehörloser Touristenführer auf Sansibar


Alle Links in diesem Artikel sind nur zu eurer Information, ich erhalte dafür keine Entschädigung, dass ich sie hier mit euch teile.

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