Iran: Visa on Arrival für deutsche Staatsbürger

Mitten in der Nacht erreiche in den Flughafen Imam Khomeini in Teheran. Ich bin nervös. Werden sie mir erlauben, in den Iran einzureisen? Ich habe erst drei Tage vorher ganz spontan einen Flug in den Iran gebucht. War das leichtsinnig? Hätte ich mich mehr informieren müssen?  Seit Neustem können Deutsche und viele andere Nationalitäten nämlich bei einem Iranbesuch als Tourist ein 30 Tage gültiges Visum on Arrival erhalten. Ein kleines Detail vergessen und schon könnten sie mir das Visum verweigern. Im Iran herrschen strenge Regeln, so dachte ich zumindest. Beim Einsteigen ins Flugzeug sah man noch alle mit offenen Haaren und einem Lächeln. Sobald das Flugzeug Fuß auf iranischen Boden setzte, fand ich mich als einzige wieder, die noch nicht ein Kopftuch auf dem Kopf hatte.

Was du für ein Visum-on-Arrival im Iran brauchst:

  • Rückflugticket bzw. Ticket, dass das Verlassen des Iran bestätigt
  • Deutsche oder internationale Kranken- und Unfallversicherung
  • Hotel-/Hostelbuchung für die 1. Nacht
  • 75 € oder 80 US-$

Steigt man aus dem Flugzeug aus, geht man in Richtung „Visa“ und „Baggage Claim“. Gegebenenfalls kommt man zuerst – wie ich – an der Immigration vorbei; da kann man aber erst hin wenn man das Visum schon im Pass hat. Also geht man erstmal zur Visumsstelle.

Das Fotografieren des Flughafens ist übrigens verboten. Aber ehrlich gesagt, wenn man sieht, wie klein und bescheiden er aussieht, hat man auch nicht groß das Bedürfnis danach.

Der genaue Ablauf ist ein wenig unübersichtlich, aber eigentlich ist es ganz einfach:
  1. Versicherungsbestätigung stempeln lassen.
  2. Formular ausfüllen.
  3. Gebühren bei der Bank bezahlen.
  4. Reisepass zur Visumserteilung abgeben.
  5. Warten.
  6. Visum abholen und durch die Immigration gehen.
Hier das ganze im Detail:

0. Richtigen Dresscode beachten.

Schon beim Verlassen des Flugzeugs gilt: Frauen müssen Haare und Nacken mit einem Tuch bedecken (ein Schal ist auch in Ordnung). Ein paar Haare dürfen ruhig sichtbar sein. Arme und Beine müssen bis zu den Knöcheln bzw. Handgelenken bedeckt sein. (Enganliegende Hosen und Sandalen sind erlaubt.) Das Oberteil muss über den Po gehen und soll die weiblichen Körperformen verhüllen.

Männer sollten keine kurzen Hosen und Tanktops tragen.

What to wear when visiting Iran?

Anregung für ein Outfit. Diese Teheraner Frau zeigt, wie man trotz Dresscode stylisch aussehen kann. Quelle: http://fashionlean.com/fashion-trends/perfect-summer-look-latest-casual-fashion-arrivals-15/

1. Versicherungsbestätigung stempeln lassen.

An einem kleinen Schalter muss die ausgedruckte Versicherungsbestätigung vorgezeigt werden. Ich hatte dazu ein extra Schreiben von meiner Auslandskrankenversicherung beantragt, in dem explizit aufgeführt wird, dass der Iran durch meine Versicherung abgedeckt ist (ich hatte in anderen Blogs gelesen, dass Leute darauf angesprochen wurden). Wichtig ist, dass irgendwo die Wörter „Travel Insurance“ auftauchen.

Der Herr am Schalter hat sich aber für nichts von alledem interessiert. Er nahm meinen Zettel entgegen, ohne einen Blick darauf zu verlieren:

„Deutschland, hm?“ – „Ja.“

Stempel. Fertig.

2. Formular ausfüllen.

Mit der gestempelten Versicherungsbestätigung geht es dann weiter zu einem anderen netten Herren, der vor der Visumsstelle steht. Dort erhält man ein Formular und einen kleinen Zettel, auf dem der nette Herr eher willkürlich, so scheint es, einen Betrag niederkritzelt, der angibt, wie viel das Visum kosten soll.

Das Formular beinhaltet Angaben wie Name, Passnummer, Adresse und Telefonnummer des Sponsors sowie Daten zum Rückflug.

Als Sponsor kann man die Unterkunft für die erste Nacht angeben. Es muss zwingend eine Angabe gemacht werden. Ich würde hier nicht empfehlen, Privatpersonen anzugeben, da diese dann für einen verantwortlich sind, und man weiß ja nie, was so auf einer Reise passiert… Ich hatte ein Hostel für die 1. Nacht reserviert* und die Bestätigungsemail ausgedruckt. In der Regel rufen die Beamten bei der Visumserstellung dann das jeweilige Hotel an und vergewissern sich, dass dort tatsächlich eine Reservierung vorliegt. Ob ihr danach zu dem angegebenen Hostel fahrt oder privat bei Freunden unterkommt, bleibt euch überlassen. Ich persönlich war mit der Familie eines Freundes aus Deutschland verabredet, die mich auch vom Flughafen abholen kam, was mich besonders bezüglich der Taxifahrt in die Innenstadt stark beruhigte. (Anmerkung: Die Prepaid-Taxis innerhalb des Flughafens sollen sehr sicher sein.)

*Im Iran können online keine Hotelbuchungen vorgenommen werden. Man kann Ho(s)tels lediglich per E-Mail kontaktieren, um dort ein Zimmer zu reservieren. Gezahlt wird dann bar bei Ankunft.

Mein Rückflugticket brauchte ich beim Check-In am Flughafen. Auf dem Formular musste ich dann nur die Flugnummer und das Datum eintragen.

3. Gebühren bei der Bank bezahlen.

Nachdem man das Formular ausgefüllt hat, geht man dann zur „Bank“ neben der Visumsstelle, gibt den kleinen Zettel ab und bezahlt den darauf angegebenen Betrag. Bei mir waren das 75€ bzw. 80USD. Das ist der Maximalbetrag für deutsche Staatsangehörige. Mit der Quittung geht man dann wieder zur Visumsstelle.

4. Reisepass zur Visumserteilung abgeben.

Bei der Visumsstelle reicht man seinen Reisepass und das Formular ein. Die Reisepässe werden erstmal gesammelt und dann nach und nach abgearbeitet. Das kann 15 Minuten bis zu 4 Stunden dauern.

5. Warten.

Und zwar solange, bis der eigene Name aufgerufen wird.

6. Visum abholen und durch die Immigration gehen.

Mein Name wurde relativ schnell genannt. Wahrscheinlich das Glück eines deutschen Reisepasses. Freundlich drückt der nette Mann an der Visumsstelle mir meinen Pass in die Hand:

„Germany, hm?
Willkommen im Iran!“

In meinem Reisepass klebt nun ein Visum für 30 Tage. Sogar mit Foto – das Foto von der ersten Seite im Reisepass.

Danach stellt man sich bei der Immigration an, bekommt einen weiteren Stempel und fertig ist die Sache. Bei mir hat das ganze Prozedere weniger als eine Stunde gedauert. Auf anderen Blogs habe ich aber auch schon von mehreren Stunden gelesen.

Fazit

Als Deutscher braucht man wirklich nicht nervös zu sein 🙂 Es gab keine Fragen oder aufwendige Ausführungen wie Reiserouten. Wir sind anscheinend gern gesehene Gäste im Iran.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Habt ihr weitere Fragen zur Beantragung vom Visum? Schreibt’s mir unten in den Kommentaren oder schickt mir eine Nachricht über das Kontaktformular.

Meinen 3 Wochen Iran steht nun nichts mehr im Wege. Wie die ersten 72 Stunden waren, erfahrt ihr auch gleich schon hier!

 

Golestan Palace Tehran Iran

Golestanpalast, Teheran, Iran.

 

Elbrus Tochal Teheran Iran

Luftaufnahme von Teheran. Elbrus-Gebirge mit Berg Tochal im Hintergrund. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Aerial_View_of_Tehran_and_Tochal.JPG

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5 Comments

  • Reply
    The first days in Iran. What I saw and felt. | Explorer on a budget
    3 Mai 2017 at 15:36

    […] 28, 2016 Previous Post Iran: Visa on Arrival für deutsche Staatsbürger [DE] Next Post How to get your couchsurfing request […]

  • Reply
    Everything you need to know before travelling to Iran | Explorer on a budget
    8 Juni 2017 at 00:00

    […] wrote an article about visa-on-arrival for German citizens (in German), which can usually be obtained without any problems (but some preparations). A visa is […]

  • Reply
    Sebastian
    26 August 2017 at 12:49

    Danke für die Beschreibung, aber:
    „Ich bin dann nach der Visumserteilung natürlich nicht zu dem angegebenen Hotel sondern zu privaten Freunden gegangen. Da ich das Hostel nur reserviert hatte und noch nichts bezahlt hatte, ist das eigentlich eine ganz nette Option.“

    Klar – für Dich! Aber nicht für das Hotel, das ein Zimmer für Dich freigehalten hatte und nun ohne Einnahmen den Kürzeren gezogen hat. Irgendwie nicht ganz so nett, oder? Gerade in einem Land wie Iran, das mit Sanktionen zu kämpfen hat, sollte man nicht ausnutzen, dass sie keine garantierte Buchungen machen können. Vielleicht könntest Du das im Blog ändern, damit nicht noch mehr auf die unfaire Idee kommen? Danke!

    • Reply
      Svenja
      28 August 2017 at 11:35

      Genau das war auch mein Gedanke. Das sollte nicht auch noch propagiert werden. Ansonsten ist es aber ein guter Überblick, danke!

    • Reply
      Korinna
      30 August 2017 at 11:23

      Lieber Sebastian, liebe Svenja,

      was ich hier geschrieben habe ist natürlich nur ein persönlicher (ehrlicher) Erfahrungsbericht, wie es bei mir abgelaufen ist, das muss nicht für jeden genauso aussehen. Es ist natürlich bei allem, was man macht, sehr wichtig, es mit dem eigenen Gewissen vereinbaren zu können. Ich bitte euch daher nur die Sachen aus dem Artikel mitzunehmen/zu übernehmen, die für euch hilfreich sind.

      Seid euch dennoch bewusst, dass ich mir eure Bemerkung zu Herzen genommen habe und soeben den Beitrag bezüglich der Hostelreservierung aktualisiert habe.

      Desweiteren wollte ich noch anmerken, dass ich persönlich die Iraner trotz vieler Sanktionen und Unterdrückung eher als eine finanzstarke Nation wahrgenommen habe – besonders jene Personen, die sich ihr eigenes Business aufbauen. (Bis zur Revolution herrschten im Iran auch Erste-Welt-Standards.) Ich wollte das noch dazuschreiben, damit sich keiner bei dem Gedanken an den Iran ein Bild von Sub-Sahara Afrika ausmalt.

      Liebste Grüße an euch zwei & genießt eure Reisen
      Korinna

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