[Gastbeitrag] Hà Giang Loop – Ein Trip durch die atemberaubend schöne Region von Hà Giang

Oder: wie man den nördlichsten Punkt von Vietnam erreicht …

… Man braucht jede Menge Schlamm-Schutz, Lust, sich über winzigen, teils löchrigen Straßen per Motorroller fortzubewegen (was teilweise zu ziemlich fantasievollen Stürzen führen kann) und vor allem eine ungefähre Vorstellung von der Schönheit der Region (selbst wenn alle Erwartungen vollends übertroffen werden!).

Thành phố Hà Giang – die Hauptstadt der gleichnamigen Region – ist Startpunkt vieler junger Wilder (wie wir es sind), die es sich zur Aufgabe machen, innerhalb von 4 oder mehr Tagen zur chinesischen Grenze hochzufahren. Motorräder und -roller kann man an jeder Straßenecke günstig mieten (umgerechnet ca. 40 Euro für 4-5 Tage), die sogenannten „Home-Stay“-Inhaber sind gern bereit zu verhandeln und die ein oder andere Versicherung fällt bei manchen schon mal weg. Ihr fragt euch, was ein „Home-Stay“ ist (selbst, wenn es vermutlich vom Wort bereits ableitbar ist)? Dazu kommen wir gleich – erst einmal rollen wir – wir sind bereits zu dritt – los aus Hà Giang heraus Richtung Yên Minh (Entfernung Hà Giang – Yên Minh ca. 100 km), dem ersten Stop unserer 5-tägigen Tour des sogenannten Hà Giang Loops (insgesamte Kilometer: ca. 360).

© Henri Darras

In Yen Minh treffen wir bereits am Ortseingang auf wild-gestikulierende Damen und Herren aus diversen „Bistros“ und „Home-Stays“, die eifrig auf ihre Häuser aufmerksam machen und uns als Gäste anlocken wollen. Wir haben es uns allerdings zur Aufgabe gemacht (Empfehlung an dieser Stelle für jede_n), vor dem Trip einige Home-Stays herauszusuchen, um diese dann bei Ankunft im Ort direkt aufzusuchen. Meist haben die Home-Stays (vor allem in der Pre-Monsun-Periode, in der wir nach Vietnam gereist sind, immer einen freien Schlafplatz oder weisen direkt auf ein Home-Stay der Familie mit freien Plätzen hin.

Das Prinzip Home-Stay ist ganz schnell erklärt: vietnamesische Familien aus der Provinz verdienen sich ihr Geld mit (für deutsche Verhältnisse günstigen) Schlafplatz + Dinner-Angeboten. Gerade auf den Strecken des Hà Giang Loops ist die Chance riesig, dass tagtäglich ein paar Roller-Touristen vorbeikommen.

Die Abendessen finden also in den vietnamesischen Familien statt. Viele – vor allem die jüngeren – Familienmitglieder sprechen etwas Englisch und so kommt es zu kleinen Gesprächen über das Leben in der Provinz. Helfen lassen wollten sich die Familienmitglieder nie (beispielsweise beim Kochen oder Abwaschen des Geschirrs), alles inklusive also (fühlt sich – wenn man den Preis bedenkt – etwas komisch an).

© Henri Darras

Von Yên Minh geht es weiter nach Đồng Văn über kurvenreiche Straßen, vorbei an duftenden Cannabis-Feldern (ja, davon gibt es in Vietnam einige). Die teilweise sehr engen Straßen sind gesäumt von Kalkstein-Bergen, die Aussichten von den Anhöhen herunter sind beeindruckend. Hier und da schlängelt sich ein Fluss im Tal entlang, der den Straßen verdammt ähnlich sehen kann. Auf der Strecke zwischen Yên Minh und Đồng Văn sehen wir die ersten Menschen in traditionellen Trachten. Sie sind ganz bunt und fallen in dem satten Grün der Berge sofort auf. Wir halten und schauen ein paar kleinen Mädchen beim Seilspringen zu, sie sprechen nicht mit uns, aber sie lächeln.

© Henri Darras

Wir machen einen Abstecher – optional – an die chinesische Grenze, dem North Pole von Vietnam. Auf dem Weg durchqueren wir mehrere Ortschaften, die anstelle von Straßen lediglich über Matsch-Massen verfügen, durch die wir „schwimmen“ müssen – das kann zum ein oder anderen delikaten und appetitlichen Sturz mitten in den Schlamm führen.

Am North Pole angekommen, parken wir unsere voll-geschlammten Roller und kaufen uns ein Ticket, um einen ca. 50 m hohen Turm zu besteigen, von dem aus wir über Vietnam und China herabschauen können – ein beeindruckender Moment der Reise. Es ist nasskalt dort oben und überall sieht man gruselig große Nachtfalter und andere Schmetterlinge.

© Henri Darras

Weiter geht’s zum Du Gia Wasserfall, an dessen Rand viele eingeborene Kinder herumtollen, die uns mit Bravour zeigen, an welchen Stellen des Wasserfalls man bedenkenlos ins Wasser springen kann. Wir springen gleich mit allen Klamotten hinein – es ist brutal heiß.

Überrascht werden wir auf dem Rückweg (nach einigen Hindernissen, zum Beispiel dem Vergessen der Route und einem doofen Verfahren) von einem Platzregen sondergleichen, der es uns nicht erlaubt, weiter zu fahren. Also bleiben wir in einem muffeligen Restaurant sitzen und lernen eine bunte Gruppe aus Engländern, Australiern und Amerikanern kennen, mit denen wir den Loop schließlich auch beenden.

Bevor wir wieder in Hà Giang ankommen, müssen wir uns noch über – man erahnt sie nur – abenteuerliche Straßen, durch gigantische Pfützen und über hängende Holzbrücken kämpfen. Bei diesen Kämpfen geht einer unserer Rollerschlüssel auf bizarre Art und Weise (beim Fahren!) verloren. Sowohl Reisepass als auch Portemonaie sind im verschlossenen Inneren des Rollers. Einige motivierte Einwohner von Du Già (und anderen Ortschaften auf der Strecke Richtung Hà Giang) probieren mit ihrem eigenen Schlüssel unseren Roller aufzuschließen – man weiß ja nie …

Henri und Charlotte auf ihrem Weg mit dem Roller durch Hà Giang. © Henri Darras

An einer Tankstelle angekommen und stets darauf bedacht den Roller nicht ausgehen zu lassen, treffen wir auf einen netten Tankstellenbetreiber, der uns eine Werkstatt um die Ecke empfiehlt (in der Zwischenzeit ist der Roller bereits ausgegangen).

In der Werkstatt angekommen überrascht uns ein sehr lach-freudiger, zahnloser Vietnamese mit einem Plastiksack voller Schlüssel und der für uns neuen Möglichkeit, einfach einen unpassenden Schlüssel passend zu machen – er probiert sie alle durch, bis er einen findet, der zu unserem Roller passt.

Mit neuem, falschen Schlüssel und vollgetanktem Kanister geht es zurück nach Hà Giang und von dort aus – mit einem abenteuerlich wackelnden Nachtbus, der anstelle von 50 meist 100 km/h fährt – zurück nach Hanoi ! (Wir brauchen anstelle von 7 nur 4,5 Stunden Fahrt …)

© Henri Darras

(Wer, so wie ich, noch nie auf einen Roller gefahren ist, aber etwas weniger mutig – nicht so wie ich 😉 – kann mit einem Motorroller auch gleich einen persönlichen Fahrer mit-mieten. Der begleitet einen dann während des gesamten Trips. Wir entschieden uns für die „mutigere“ Variante, was nicht heißen soll, dass es die bessere war, jedenfalls war sie unvergesslich!!!!!)

 

Über die Gastautorin

Gastautorin Charlotte auf einer Treppe sitzend in Vietnam
Charlotte Mengel
„Geboren wurde ich auf der Insel Föhr, direkt nach der Wiedervereinigung Deutschlands 🙂
Dann zog es meine Familie und mich über Hamburg ins schöne Hessen. Inzwischen lebe und studiere ich in Paris. Ich habe erst recht spät mit dem Reisen begonnen, früher war ich oft mit Jugendorchestern in Amerika und Europa unterwegs. Die Vietnam-Reise war meinerster Trip nach Asien. Da ich nun einen neuen Reisepass besitze (und ihn Gott sei Dank nicht in Vietnam im Motorroller vergessen habe 😉 ), der 10 Jahre lang gültig ist, habe ich beschlossen, weitere (ferne) Ziele zu bereisen. Ich würde sehr gern einmal nach Süd- oder Westafrika und auch den Süden Vietnams erkunden (ich kenne bisher nur den Norden).“

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