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Subkultur-Tipp Berlin: Klunkerkranich in Neukölln bietet einen tollen Ausblick über die Stadt!

Gerade befinde ich mich in einem Prozess, in dem ich für mich definiere, was eine lebenswerte Stadt ausmacht. Was ist es, das ich an Stuttgart wo ich mich seit Neuestem sehr heimisch fühle  so schätze? Wie kann ich innerhalb der Stadtmauern naturverbunden und umweltbewusst leben?

Für mich braucht es dazu insbesondere etwas Grünes. Pflanzen, Bäume, bunte Farben. Keine grauen Hauswände. Keinen Autolärm. Stattdessen einen Ort zum Träumen, zum Die-Seele-baumeln-lassen. Wo alles vor Ort produziert wird, wo jeder sich was leisten kann, wo jeder mitanpacken und mitgestalten kann. Wo die Hierarchien flach sind.

Alternative Sehenswürdigkeiten Berlin: Der wild bewachsene Eingang des Klunkerkranichs

Der Klunkerkranich: alternative Kultur- und Aussichtsplattform in Berlin

Einen solchen Ort habe ich für mich in meiner Hochschulgruppe „Greening Stuttgart“ und unserem MitMachGarten gefunden. Diese Orte leben vom Austausch und von neuen Ideen. Und neue Inspiration und Ideen bekommt man natürlich unter anderem durch das Reisen. Unaufgefordert, ganz für mich selbst und auf der Suche nach meiner tieferen Bestimmung in diesem Leben, suche ich mir solche Ruhezonen auch in anderen Städten. In London habe ich solch einen Ort gefunden, und auch in Berlin letztes Wochenende.

Ich überlege eine neue Serie daraus zu machen, euch an diesen lokal-initiierten Projekten teilhaben zu lassen. Da ich aber immer wieder neue Ideen bekomme, verspreche ich mal lieber nichts… Während ich also nun den weichen Klängen von Ludovico Einaudi lausche, versuche ich, euch meinen neuen (naja, für mich halt) Blickfang in Berlin schmackhaft zu machen:

Alternative Sehenswürdigkeiten Berlin: Klunkerkranich auf Parkdeck 6

Im Klunkerkranich: Der Aufgang auf Parkdeck 6.

Alternatives Berlin: Klunkerkranich, Neukölln

Die Besitzer des Klunkerkranichs bezeichnen ihn selbst als „Kulturdachgarten„. Er befindet sich auf der obersten Etage des Parkdecks der Neukölln Arcaden, gleich an der U-Bahn-Haltestelle „Rathaus Neukölln“.

Von der Straße ist der Garten nicht erkennbar. Man gehe in die Neukölln Arcaden und nutze dort den Aufzug bis in den 5. Stock („Parkdeck 5“). Dann läuft man links ein Stück weiter und schließlich die Rampe hoch auf die 6. Etage.

Alternative Sehenswürdigkeiten Berlin: Das Urban-Gardening-Projekt KlunkerGarten

Im KlunkerGarten darf jederzeit kostenlos in mitten von Grün verweilt werden.

2013 hatten die Gründer die Idee: „Über den Dächern der Stadt soll ein Freiraum geschaffen werden für Do-It-Yourself, Begegnungen oder auch zur Erholung vom Stress der Großstadt. Offen für alle: Künstler, Phantasten oder einfach die Nachbarn“, so wird es in einer dazu veröffentlichen Doku gezeigt. Der Plan: „eine Fusion aus Veranstaltungsfläche, Restaurant und Dachgarten“, so der Hauptbetreiber gegenüber der Berliner Zeitung (2015). Mit viel Holz als Bodenbelag und Blumenkästen „renaturierten“ sie 2 Jahre lang das vorher ungenutzte Parkdeck. Mithilfe von Crowdfunding und vielen Ehrenamtlichen konnte das Projekt gestemmt werden.

Alternative Sehenswürdigkeiten Berlin: Panorama-Blick über die Stadt inklusive des Fernsehturms

Da ist er, der Fernsehturm Berlin! ♥

Heutzutage ist der Klunkerkranich eine bekannte Adresse für Touristen wie Einheimische. Das Angebot reicht von Konzerten, DJ-Programm, Lesungen bis Kino und Kulinarisches. So gibt es in der Kantine „Zum Fetten Finken“ Frühstück, Mittagessen und Abendessen, möglichst saisonal. Als ich dort war, war die Auswahl vegetarisch mit einem Preis von 6,50€; laut Webseite gibt es aber sowohl Fleisch als auch vegane Optionen.

Kantine „Zum Fetten Finken“
Essen: fleischhaltig / vegetarisch / teilweise vegan
Tagesgericht mittags: um die 7,50€

Party gibt es in den zwei Räumlichkeiten „Wohnzimmer“ und „Hinter den Alpen“, oder auch auf dem Podest auf dem Vorplatz unter freiem Himmel. Im „Wohnzimmer“ bekommt man auch tagsüber Essen & Getränke. An der Decke hängen Diskokugeln und unten chillt ein gemischtes Publikum auf den zusammengewürfelten Möbelstücken zu funky Musik. Bei schönem Wetter sitzt es sich meiner Meinung nach viel besser draußen auf der Terrasse. Die meisten Tische befinden sich entlang des Geländers und bieten einen weiten Blick über die Stadt.

Alternative Sehenswürdigkeiten Berlin: die Toiletten im Klunkerkranich

Im Klunkerkranich Berlin: Sogar die Toilette kann sich sehen lassen!

Der Klunkerkranich als Aussichtsplattform: Bestaune den Blick auf Berlin’s Fernsehturm

Ha! Ja, richtig gelesen! Der Klunkerkranich, viel mehr als seine alternative Entstehungsgeschichte erahnen lässt, ist der Tipp, wenn man einen Blick auf den Fernsehturm erhaschen will!

Auch praktisch: Es gibt Steckdosen drinnen und draußen, was bei uns Reisenden ja immer so ein Thema ist…

Bis 16 Uhr gibt es freien Eintritt, danach kostet es aufgrund der abendlichen Veranstaltungen zwischen 3 und 6 Euro. (Es gibt ein kleines Stückchen Garten vor der Kasse, für das nie Eintritt bezahlt werden muss.) Wer also nur für Bilder vorbeigekommen ist, huscht spätestens kurz vor 16 Uhr durch die Pforte. (Der Platz füllte sich die Viertelstunde vorher recht immens… 😉) Die Sonnenuntergänge sollen hier sehr besonders sein. *Natürlich solltet ihr auch bedenken, dass Einnahmen zur Organisation weiterer Veranstaltungen und der Instandhaltung der Fläche beitragen.*

Tipp: Vor 16 Uhr vorbeischauen, wer nur Bilder schießen will!

Alternative Sehenswürdigkeiten Berlin: die beste Aussichtsplattform inklusive vorwiegend lokalem, selbstgemachtem Essen ist der Klunkerkranich

Der schönste Sitzplatz. Hier esse ich Gnocchi mit frischem Rucola und Parmesan.

Mehr Informationen und die aktuellen Öffnungszeiten findet ihr hier:

http://klunkerkranich.org/
Alternative Sehenswürdigkeiten Berlin: das Panorama über Berlin mit Blick auf den Fernsehturm gesehen vom Klunkerkranich

Mehr Ausblick – Liebe auf den ersten Blick!

Reality Check: Die Geschichte des Klunkerkranichs

Das Besondere am Klunkerkranich ist, dass es von unten her finanziert wurde. Kein großer Immobilienhai war hier dahinter. Stattdessen hat eine kleine „Wahl-Familie“ hier die Zügel in der Hand, lebt und arbeitet über 2 Jahre lang auf kleinstem Raum zusammen. Sie gaben ihre gesicherten und gut bezahlten Jobs auf, um hier etwas Neues zu kreieren.

Bei dem Projekt ging es vor allem um Gemeinschaft und Zusammenhalt. Wie in einer richtigen Familie ging es nicht immer harmonisch zu, aber man hatte sich trotzdem lieb. Erfinder, Handwerker, Künstler, Nachbarn; über 100 Menschen haben über die Jahre unentgeltlich bei der Gestaltung mitgeholfen, gemeinsam gelernt und getüftelt. „Der Klunkerkranich steht sinnbildlich für das alternative Berlin, für eine andere Art des Wirtschaftens, bei der nicht das Geld, sondern die Idee zählt.“ (Zitty Berlin)

Alternative Sehenswürdigkeiten Berlin: Kultur- und Kunstangebot im Klunkerkranich

Besondere Kunst auf dem Kulturdachgarten Klunkerkranich

Schnellvorlauf zu 2015. Nach 2 Jahren Fertigstellungszeit soll der Klunkerkranich eröffnet werden. Und dann, wo auf einmal Geld (Einnahmen) ins Spiel kommen, kommt das Familien-Gerüst ins Wanken, bekriegen sich die drei Gründer auf einmal vor Gericht. Dort sollte unter anderem geklärt werden, wer nun rechtmäßiger Eigentümer ist („und über den Gewinn verfügen darf“ *meine Aussage*). Sehr wahrscheinlich war das Gericht der Auffassung, dass alle Gründer gleichgestellt Eigentümer der Gesellschaft sind, und sofern sich das ändern sollte, mehrere tausend Euro an den Austreter auszuzahlen seien. Einer der Initiatoren gibt in der BLN.FM zu bedenken: „Es gibt jede Menge sehr große Kosten – und natürlich investieren wir in die Entwicklung, den Ausbau und damit in die Zukunft des Projekts.“

Mehr Informationen zu dem letztendlichen Ausgang der Streitereien konnte ich im Internet nicht finden. Wer dazu etwas mitbekommen hat, darf sich gerne in den Kommentaren melden.

Alternative Sehenswürdigkeiten Berlin: die Skyline Berlins mit Fernsehturm gesehen von der gemütlichen Dachterasse des Klunkerkranichs in Neukölln

Gemütlich ist’s!

Wenn ich an diese Querelen denke, kommen mir gleich folgende Fragen in den Sinn: War die Utopie, die Hippie-Kommune, also nur ein Vorwand, hier etwas Kommerzielles entstehen zu lassen? Und wenn man das weiterspinnt, wann ist etwas ein Business und wann eine (sub-)kulturelle Bereicherung der Nachbarschaft? Wie lassen sich ehrenamtlisches Engagement / Subkultur / das Mitgestalten der eigenen Nachbarschaft mit dem Überleben des Einzelnen, also der Notwendigkeit vereinen, dass die verantwortlichen Betreiber natürlich neben der hauptberuflichen Planung neuer Veranstaltungen über die Jahre auch ihr eigenes Brot & Wasser finanzieren müssen? Und wer entscheidet eigentlich darüber, wie viel Geld das nun sein sollte, auch angesichts der Tatsache, dass sie das Risiko auf sich nahmen, das Projekt überhaupt erst ins Leben zu rufen?

Habt ihr da Meinungen zu? Kennt ihr vielleicht Beispiele aus eurer eigenen Stadt?

An dieser Stelle wollen wir uns einfach nur freuen, dass es den Klunkerkranich noch gibt, dass die Streitereien beigelegt wurden und die Energie in die Weiterentwicklung des alternativen Projektes gesteckt werden kann.

 

Alternative Sehenswürdigkeiten Berlin: Der Klunkerkranich als Kulturdachgarten mit Blick über die Stadt

Der Klunkerkranich in seinem Habitat. (Den Vogel gibt es übrigens in Wirklichkeit! Allerdings in weiß-grau-schwarzem Gewand.)

 

Alternative kostenlose Insider-Empfehlung für alle, die gerade im Westen Berlins unterwegs sind: Auch von der Mensa am Ernst-Reuter-Platz a.k.a. Cafeteria TU „Skyline“ erhascht man einen Blick auf den Fernsehturm (natürlich nur offen, wenn auch die Uni offen hat…)!

 

{Anmerkung: Die Bilder sind nicht bearbeitet, sie sind so, wie ich sie mit der Kamera aufgenommen habe. Ich habe lediglich die Größe verkleinert.}

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