Alternatives London – Idyllische Subkultur im Dalston Eastern Curve Garden

Lasst mich von diesem wunderbaren Ort schwärmen, den ich mitten in London gefunden habe. London, eine Megastadt mit über 8 Millionen Einwohnern, mit imposanten Hochhäusern und der ältesten U-Bahn der Welt. Doch gleich fällt mir auf, wie viel Grün es hier gibt: Parks, deren Ende ich gar nicht erblicken kann, und Waldwege, denen ich kilometerlang folge.

Mit minimalistischem Handgepäck auf Reisen

Im Mai letzten Jahres hatte ich mich mit einer Freundin für einige Tage in London verabredet. Es war gerade zu der Zeit, als Ryanair seine neuesten Handgepäckregeln einführte, nach denen jeder Fluggast nur noch eine winzige Handtasche mit an Bord nehmen durfte, wollte er nicht 8€ extra zahlen. Natürlich hatte ich keine Lust darauf und nahm es dankend als eine Challenge an, mein Gepäck für die 4 Tage aufs Minimalste zu reduzieren.

Ich nahm mit: 1 Outfit (inkl. 1 Paar Schuhe und einem Schal), das ich während dem Flug trug, 1 Sommerkleid, 1 Thermo-Strumpfhose, Unterwäsche, 1 Paar Ohrringe, 1 Zahnbürste, Mascara, 1 Ration Lavaerde* als Shampoo und Essig für die saure Rinse, meine Kamera*, Wasserflasche, Jutebeutel, Teelöffel, 1 Permanentmarker, Geldbeutel mit Ausweis – das war’s. Ein Handtuch gab’s im Hotel und bei sonstigen Bedürfnissen wie Zahnpasta wandte ich mich dankbar an meine Freundin. So fand sich in meinem ca. 13 Liter Mini-Stadtrucksack sogar noch ein wenig Platz für Banane und Brote für den Flug.

Das „Pineapple House“ mit Holzofen für Workshops oder als Aufenthaltsraum für die Belegschaft und freiwillige Helfer

Wenn ich heute daran denke, ärgere ich mich, dass ich mich dazu entschied, das Flugzeug zu nehmen. Auch wenn ich bis Eindhoven eine Auto-Mitfahrgelegenheit nutzte, hätten die Emissionen sicher nicht sein müssen. Viel hat sich mit mir und in mir verändert über die letzten Monate, eine ganz neue Art zu denken ist entstanden und ich bin tiefer in das „Low Impact Movement“ eingetaucht.

Die Lounge

Mein Flug von Eindhoven nach London ging früh morgens. Leider war mir nicht klar, dass manche Flughäfen über Nacht schließen, als meine Mitfahrgelegenheit aus Stuttgart mich am Vorabend am Flughafen absetzte. In Eindhoven ist es sogar so, dass das komplette Flughafengebäude geschlossen wird, was so viel bedeutet wie: alle Übernachtgäste können entweder das teure Hotel gleich im Gebäude nutzen oder draußen auf der Parkbank schlafen. Nun, bei mir wurde es die Parkbank. Hier war mein minimalistisches Gepäck natürlich nicht allzu nützlich. Immerhin gut, dass ich einen Schal dabei hatte – doch selbst der nützte nicht viel gegen den eisigen Wind. Großzügigerweise verteilte einer der anderen Übernachtgäste sein eigenes Gepäck (Schlafsack, Decke, Winterjacke etc.) altruistisch für die Nacht an uns andere. Richtigen Schlaf konnte ich trotz allem nicht finden.

Urban Gardening

Alternative Fortbewegung: Trampen von Stansted nach London

Doch auch diese Nacht war irgendwann zu Ende und ich freute mich meine Freundin wiederzusehen. In Stansted angekommen hieß es erst einmal Trampen zum Hotel (hier findest du meinen Hitchhiking-Guide). Auf Hitchwiki stand folgende Aussage: „The roundabout is about a 10 minute walk from the terminal. Go towards the sign saying the M11 towards London. Decent spot, never had to wait to long, usually ends up faster than the bus.“ Picobello, dachte ich mir.

Nur leider war das Verkehrsschild mit eben genau dieser Aussage nirgends zu finden, so dass ich immer weiter lief, bis die Autos auf einmal ziemlich schnell an mir vorbeibrauschten. Ich befand mich mitten auf dem Highway – mist! Also Rückzug zur Auffahrt, wo mich so gleich ein Taxifahrer aufschnappte, der mich gesichtet hatte und gleich eine Extrarunde fuhr, um mich einzusammeln. Mir missfiel die Idee, in einem Taxi zu sitzen. Der Fahrer versicherte mir, kein Geld für die Fahrt zu verlangen, da er sowieso nach London zurück müsse. Na gut. Er brachte mich sicher zu einer Underground-Station, von der ich mich dann selbstständig zu meiner Freundin navigierte.

„Keep Cities Wild“ – Finanzstarkes London trifft auf Subkultur

Das grüne, alternative London

Gemeinsam erkundeten wir Camden Town, Hyde Park, Notting Hill, die Gegend um den Buckingham Palace und vieles mehr. Als meine Freundin dann unter der Woche in einer Fortbildung war, erkundete ich London auf eigene Faust. Da ich kein großer Stadtmensch bin, wollte ich Ruhe und Natur und spazieren gehen. Meine erste Anlaufstelle war der 4 Kilometer lange Parkland Walk, der entlang einer ehemaligen Eisenbahnlinie führt. Auch einer der Bahnsteige ist noch sichtbar. Ebenfalls sehr zu empfehlen ist die Alternative London Walking Tour durch das Londoner East End, bei der die spannende kulturelle Geschichte des Viertels sowie die Graffity-Künstler des Viertels nähergebracht werden.

Der Dalson East Curve Garden – ein neuzeitlicher botanischer Garten

Alternatives London, alternativer botanischer Garten:
Der Dalston Eastern Curve Garden

Mein absoluter Wunderort und Highlight meiner London-Tour war der Dalston Eastern Curve Garden, den ihr auf allen Bildern abgebildet findet. Auch dieser war, wie der Parkland Walk, in der Vergangenheit mal eine Eisenbahntrasse, wenngleich es sich mit dem Garten im Vergleich zur Wanderroute nur um einen kleinen Teil Trasse handelt – eben nur eine Kurve („Eastern curve“).

Der Garten ist heute Café, Urban Gardening und öffentlich zugänglicher Sozialraum zugleich. Freiwillige helfen das ganze Jahr über dabei, das Projekt am Leben zu erhalten – sie gärtnern, planen Veranstaltungen und helfen am Kiosk. Es ist erlaubt, sein eigenes Essen mitzubringen.

 
 
 
 
 
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An eben jenem Kiosk gleich am Eingang kaufe ich mir eine Chai Latte mit Pflanzenmilch und schlendere durch den Garten. 2010 wurden hier Bäume und Gebüsch gepflanzt. Ein Architektenteam hat großartige Arbeit geleistet und eine gemütliche Lounge unter einem hölzernen Pavillon geplant, gleich neben dem „Pineapple House“, welches nur während Workshops oder für die freiwilligen Helferlein zugänglich ist. Stühle stehen verteilt zwischen den Bäumen, so dass sich jeder seine Privatsphäre ganz individuell aussuchen kann.

Der Garten wirkt wundervoll wild mit den Blumen und Pflanzen überall. Ziel ist es unter anderem, Bienen und Schmetterlinge anzuziehen. In den Beeten zwischen den Bäumen stecken Schilder mit „Special plants growing here – no bags, buns or bean bags“. In einer Ecke stehen Hochbeete mit Gemüse und Kräutern.

Ich suche mir einen Platz unter den Bäumen und lasse den Ort auf mich wirken. Hier ist es so wunderbar still. Nichts zu hören vom Trubel der Straßen. Würde ich in London wohnen, könnte ich hier täglich sitzen.

Der Dalston Garden: Ein Ort zum Rückzug und zum über die Welt Nachdenken.

Ich denke darüber nach, dass jede Stadt solch alternative Plätze anbieten möge. Ich frage gleich einen Bekannten in Stuttgart, wo ich dort solche Plätze finden kann. Auch in auto- und profitorientierten Städten wie Stuttgart gibt es sie – die kleinen Orte und Initiativen, die Mut machen, das Leben etwas alternativer und solidarischer zu gestalten (beispielhaft nenne ich hier die Kulturinsel oder den El Palito e.V.).

Ich begebe mich auf den Weg, einige Initiativen zu unterstützen…

Nach diesem „alternativen London“-Fund war für mich gleich klar, von nun an in jeder Stadt nach so einem Ort zu suchen. Beim darauffolgenden beruflichen Besuch in Berlin bin ich auch sogleich auf den Klunkerkranich gestoßen (den ganzen Artikel darüber hindest du hier).

Zuletzt nun meine Frage an euch: Was war euer liebster Ort im alternativen London? Wo haltet ihr euch gerne auf?

Eure

 

Die Bilder sind unbearbeitet und lediglich verkleinert worden.

Der Artikel spiegelt meine eigene Meinung und Erfahrung wieder. Ich war anonym unterwegs und wurde von keiner Institution darum gebeten, diesen Artikel zu veröffentlichen.

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